Album Review: Killswitch Engage, „Incarnate“

Wie Phö­nix aus der Asche wol­len sich die Metal­core-Gigan­ten Kills­witch Enga­ge (KSR) rund um Sän­ger Jes­se Leach mit ihrem sieb­ten Stu­dio­al­bum aufs Neue erheben. 

Incar­na­te“ heißt es und steht mit dem dazu­ge­hö­ri­gen Art­work sinn­bild­lich für die­se Prä­mis­se. Als ehe­ma­li­ger Sän­ger und Grün­dungs­mit­glied stieß Leach 2013 für die Voll­endung von „Dis­arm the Descent“ wie­der zur Band. Inzwi­schen sind aber drei Jah­re ver­gan­gen, in denen er von Anfang bis Ende am Ent­wick­lungs­pro­zess von „Incar­na­te“ mit­wirk­te – und das hört man. Was kann man also vom neu­en Album erwarten?

Man kann schon mal vor­weg­neh­men, dass hier kei­ne gro­ßen Gen­re­kor­rek­tu­ren vor­ge­nom­men wur­den und auch die Inn­no­va­ti­on sich in Gren­zen hält – das muss aber nichts Schlech­tes hei­ßen. Das Album besitzt näm­lich den übli­chen KSE-Sound, mit dem sie nun seit knapp 15 Jah­ren die Mas­sen begeis­tern kön­nen: Da wären die bra­chia­len Screams im dyna­mi­schen Wech­sel­spiel mit gefühl­vol­len Clean-Gesangs­pas­sa­gen und einem guten Gespür für Melo­die. Unter­mau­ert wird das Gan­ze von erst­klas­si­ger Instru­men­tal­ar­beit – fer­tig ist die KSE-For­mel. Und es gibt noch wei­te­re Aspek­te, in denen sich KSE von den meis­ten Metal­core-Bands abhebt: Zum einen wird hier nicht ein Break­down an den nächs­ten gereiht oder mit Auto­tu­ne-Refrains um sich gewor­fen, zum ande­ren ist Sän­ger Jes­se Leach (oder frü­her Howard Jones) gesang­lich vie­len Gen­re­kol­le­gen über­le­gen. Doch wie sieht all das nun im kon­kre­ten Fall „Incar­na­te“ aus?

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Wie gesagt: Die Instru­men­tal­ar­beit sitzt. Man merkt jede Sekun­de, dass man es mit einem ein­ge­spiel­ten Team von Musi­kern zu tun hat. So vari­ie­ren die Gitar­ren bei­spiels­wei­se von klas­si­schem Metal­core-Rif­fing hin zu KSE-typi­schen Thrash- oder gar Melo­dic-Death-Metal-Ein­la­gen – ver­ein­zelt sind sogar Shred­ding-Pasa­sa­gen ein­ge­baut wie z.B. in „Hate By Design“. Auch die Akus­tik-Gitar­re fin­det wie­der grö­ße­re Bedeu­tung, indem sie zum Bei­spiel stim­mungs­voll den Track „Quiet Dis­tress“ ein­lei­tet. Bas­sist Mike D’Antonio bekommt sei­nen Ein­satz in „Embrace the Journey…Upraised“. Da gehö­ren ihm die ers­ten 30 Sekun­den näm­lich ganz allein. Bei all der indi­vi­du­el­len Klas­se stel­len sich die Musi­ker aber nie Gegen­sei­tig in den Schat­ten, son­dern bil­den zu jeder Zeit eine klang­li­che Ein­heit. Ein­zi­ger Kri­tik­punkt: Es kommt einem so vor, als ob KSE lang­sam die Ide­en aus­ge­hen wür­den – vor allem, was die Gitar­ren­ar­beit angeht. Denn beim Hören über­kam einen doch mehr­mals das Gefühl, dass man eini­ge der Riffs schon mal irgend­wo gehört hat. Auch der Abmi­schung muss sich man­geln­de Inno­va­ti­on vor­wer­fen lassen.

Nun aber zum wah­ren Star der Show – Jes­se Leach. In den ins­ge­samt 12 Tracks auf „Incar­na­te“, die alle­samt aus Leachs Feder stam­men, lie­fert er gesang­lich das gan­ze Reper­toire ab und lässt dabei kei­ne Wün­sche offen. Ob es nun Screa­mings sind, die durch Mark und Bein gehen, oder Clean­ge­sang, bei dem sich die Arm­haa­re auf­stel­len. Fakt ist: Jeder Song strotzt nur so vor Emo­tio­nen – was wohl kaum mög­lich gewe­sen wäre, hät­te er sie nicht selbst geschrie­ben. Text­lich behan­deln sie vor allem düs­te­re The­men und Erfah­run­gen aus Leachs Leben wie zum Bei­spiel Depres­si­on oder Verlust.

Ins­ge­samt weist das Album kei­ne Total­aus­fäl­le auf. Dafür aber eini­ge Songs, die auch nach mehr­ma­li­gem Hören an einem vor­bei­plät­schern wie „Just Let Go“, „Quiet Dis­tress“ oder „Ascen­si­on“. Denn die rest­li­chen 9 Tracks vari­ie­ren alle von gut bis sehr gut. Da wären die ruhi­ge­ren Tracks wie das bal­la­des­ke „We Car­ry On“ oder das Album­high­light „It Falls On Me“ – wel­ches eine Sei­te der Band zeigt, die man so noch nicht kann­te. Aber auch die eben­so guten und bra­chia­len Songs wie „Embrace the Journey…Upraised“ oder „The Gre­at Deceit“ lie­fern. Irgend­wo dazwi­schen pen­deln sich dann die Lead-Sin­gle „Strengh of the Mind“ und mein zwei­tes High­light „Hate By Design“ ein. Letz­te­res geht direkt ins Ohr und ist ein per­fek­tes Bei­spiel für den typi­schen KSE-Sound.

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Noch sitzt er in der Schule und macht dieses Jahr sein Abitur in München. Privat ist er ein Serien-, Film- und Musikliebhaber, der nun versucht seine Begeisterung in Wort und Schrift zu fassen. Sportlich schlägt auch sein Herz für den FC Bayern.