iPhone 7, Apple Watch und AirPods: Nachlese zum Apple Special Event

Es ist schon etwas län­ger her, dass Apple ein der­art voll­ge­pack­tes Key­note-Pro­gramm auf­ge­führt hat. Und auch wenn vie­le, ja fast alle Pro­dukt­de­tails zum iPho­ne 7 und der Apple Watch Series 2 bekannt waren, hat­ten Tim Cook und Co. eini­ges zu erzählen.

Wie üblich begann Tim Cook sei­ne Prä­sen­ta­ti­on, die im Bill Gra­ham Civic Audi­to­ri­um in San Fran­cis­co statt­fand und zu dem er von Car­pool-Karao­ke-Mode­ra­tor James Cor­den „chauf­fiert“ wur­de, mit klei­ne­ren Indoh­ap­pen und Zah­len. So habe Apple Music inzwi­schen 17 Mil­lio­nen Abon­nen­ten gewin­nen kön­nen – eine ange­sichts der kur­zen Zeit, die der Strea­ming­dienst im Markt ist, beein­dru­cken­de Zahl. Ähn­lich beein­dru­ckend sieht es auch im App Store aus: 140 Mil­li­ar­den App-Down­loads will man nun schon bei Apple gezählt haben.

Mario hüpft aufs iPhone

Das ers­te High­light des Abends soll­te sodann gleich etwas mit dem App Store zu tun haben, denn Shi­ge­ru Miy­amo­to, Erfin­der von Super Mario, erklär­te den Besu­chern, dass Nin­ten­do mit Super Mario Run einen ers­ten exklu­si­ven Titel auf die iOS-Platt­form brin­gen wer­de – für mich ein „Die Höl­le friert zu“-Moment, wei­ger­te sich Nin­ten­do doch so lan­ge, sei­ne erfolg­rei­chen Spie­le-Fran­chi­ses auch auf mobi­le Platt­for­men zu brin­gen. Ent­spre­chend groß war auch der Applaus im Publi­kum. Super Mario Rund wird – wie man schön im ein­ge­bet­te­ten Video unten sehen kann – eine klas­si­scher 2D-Side­scrol­ler im Sti­le von New Super Mario Bros. Der Clou: Das Spiel wir aus­schließ­lich mit einem Fin­ger gespielt und eige­ne sich so pri­ma für die U-Bahn oder ande­re unter­wegs-Sze­na­ri­en, in denen man nur eine Hand fürs Smart­pho­ne frei hat. Im Dezem­ber will Nin­ten­do den Titel in den App Store brin­gen. Ein­zi­ges Man­ko: Bereits jetzt lässt sich über die App-Sei­te im App Store erken­nen, dass In-App-Käu­fe zum Kon­zept gehö­ren. Hof­fen wir nur, dass sich Nin­ten­do hier cle­ver ver­hält und auf Pay-to-Win-Pake­te verzichtet.

Zahlenonkel

Wei­ter ging es wie­der mit Tim Cook und dem Zah­len-Teil, genau­er gesagt: mit Bil­dung und App­les Enga­ge­ment in die­sem Bereich. Apple unter­stütz die Initia­ti­ve Con­nec­tED, indem 114 Schu­len, mit Apple-Gerä­te für 4500 Leh­rer und 50000 Schü­ler ver­sorgt wer­den – Cook, der ja momen­tan wegen der Steu­er­ver­mei­dungs­prak­ti­ken App­les im Clinch mit der EU-Kom­mis­si­on liegt, unter­streicht wie­der die cari­ta­ti­ve Ader des Her­stel­lers. Ange­sichts der wenig sozi­al­ver­träg­li­chen Steu­er­phi­lo­so­phie des Kon­zerns wirkt das aller­dings schon ein wenig schi­zo­phren – oder infam, wie es Brit­ta Wed­de­ling in ihrer Ana­ly­se für das Han­dels­blatt schreibt.

Ein wei­te­res, fast schon ver­ges­se­nes The­ma hat­te Apple eben­falls wie­der in pet­to: iWork. Hier kün­dig­te man in Per­son von Susan Pres­cott an, dass iWork Echt­zeit-Kol­la­bo­ra­ti­ons-Funk­tio­nen bekom­men soll. Künf­tig soll es mög­lich sein, von allen Cli­ents (Mac, iPho­ne, iPad, Brow­ser auf Win­dows-Gerä­ten) in Echt­zeit an ein und den­sel­ben Doku­men­ten arbei­ten zu kön­nen. Blickt man in Rich­tung Office­On­line oder Gool­ge­Dri­ve, wirkt das Fea­ture aller­dings etwas weni­ger cris­py und neu, da bei­de Kon­kur­ren­ten ähn­li­che Funk­tio­nen bereits seit lan­gem beherr­schen. iWork-Power­u­ser wer­den sich aber den­noch freuen.

Series 2: Die Apple Watch wird (ein bisschen) besser

Wenig über­ra­schend gab es auch Neu­ig­kei­ten zur Apple Watch. Apple hat es näm­lich seit dem Markt­start sei­ner Smart­watch nicht nur geschafft, der größ­te Her­stel­ler von Smart­wat­ches zu wer­den, son­dern reiht sich direkt hin­ter Rolex als zweit­größ­ter Uhren­her­stel­ler welt­weit ein – gera­de ange­sichts der zim­mer­wäh­ren­den Kri­tik an den „zu schlech­ten“ Ver­triebs­er­geb­nis­sen App­les bei der Watch ein recht beacht­li­ches Ergeb­nis. Den­noch scheint die Apple Watch nach wie vor nicht geeig­net, die Absatz­rück­gän­ge des iPho­nes zu kom­pen­sie­ren. Im Gegen­teil: Der Weara­ble-Markt könn­te aktu­el­len Stu­di­en (.B. von IDC) zufol­ge in den kom­men­den Mona­ten mas­siv schrumpfen.

Da Apple aber natür­lich im Rah­men sei­nes Spe­cial Events aus­schließ­lich posi­tiv auf­fal­len möch­te, geht es direkt in den „hat’S new“-Teil über. Nach einem kur­zen Remin­der zu den Neue­run­gen von watchOS 3 und der Ankün­di­gung, dass Nian­tic und The Poké­mon Com­pa­ny den Mobi­le-Hit Poké­mon Go auch auf die Apple Watch brin­gen wer­den, gibt es ein kur­zes Videoin­tro zur Apple Watch 2, die man offi­zi­ell „Series 2“ tauft. Wäh­rend das alte Modell, das als „Series 1“ mit Pro­zes­sor­up­date wei­ter im Reper­toire bleibt, nur spritz­was­ser­fest war, wird die Series 2 bis zu 50 Meter was­ser­dicht sein. Dass spie­gelt sich auch in einem neu­en Schwimm­mo­dus wie­der, der Indoor- und Frei­was­ser­schwim­mern das Erfas­sen von Schwimm­ses­si­on erlau­ben soll.

Tech­nisch packt Apple eine aktua­li­sier­te Ver­si­on 2 sei­nes „Sys­tem in a Packa­ge“ (SiP 2) in die Apple Watch Series 2, das dank Dual-Core-CPU mehr Rechen­leis­tung mit­bringt. Eben­falls pri­ma: Apple hat die Les­bar­keit des Dis­plays bei Son­nen­ein­strah­lung durch ein 1000nits star­kes Dis­play ver­bes­sern – es ist nun dop­pelt so hell, wie das Dis­play der Ur-Watch. Eben­falls an Bord ist das viel­fach kol­por­tier­te GPS-Modul, das die Watch gera­de für Läu­fer unab­hän­gi­ger vom iPho­ne machen wird.

Nach­dem die Koope­ra­ti­on mit dem Luxus-Label Her­mès sehr erfolg­reich gewe­sen zu sein scheint, hat Apple – neben dem neu­en „Edition“-Material Kera­mik (ersetzt bei der Edi­ti­on 2 die echtgt­gold-Model­le) und neu­en Her­mès-Arm­bän­dern – auch eine gänz­lich neue Koope­ra­ti­on am Start: näm­lich mit Nike. Die Koope­ra­ti­on ver­wun­dert ange­sichts der engen Ban­de von Tim Cook mit Nike (er sitzt bei Nike im Ver­wal­tungs­rat als „Lead Inde­pen­dent Direc­tor) nicht im gerings­ten – zumal man mit Fit­bit und Co. einen gemein­sa­men Kon­kur­ren­ten atta­ckie­ren kann. Die Apple Watch Nike Plus kommt mit vie­len exklu­si­ven Fit­ness-Fea­tures und einem eige­nen, beson­ders sport­lich anmu­ten­den Arm­band. Preis­lich star­tet die Apple Watch Series 1 bei 319 Euro, die Series 2 bei 419 Euro. Ab dem 9. Sep­tem­ber kön­nen die neu­en Model­le vor­be­stellt wer­den, Stre­et­day ist der 16. September.

Zwi­schen­fa­zit: Gleicht man die prä­sen­tier­ten Neue­run­gen mit all dem ab, was bereits im Vor­feld über diver­se Leaks öffent­lich gewor­den war, kommt die Apple Watch Edi­ti­on 2 im Grun­de genau­so, wie erwar­tet. Es gibt mit der ver­bes­ser­ten Was­ser­re­sis­tenz, dem neu­en Dis­play und dem leis­tungs­stär­ke­ren SiP 2 pri­mär evo­lu­tio­nä­re Detail­ver­bes­se­run­gen. Neue Kon­zep­te – bei­spiels­wei­se hin­sicht­lich des Form­fak­tors – such­te man ver­ge­bens. Apple unter­streicht aber durch sei­ne Koope­ra­ti­on mit Nike und wei­te­ren Her­mès-Arm­bän­dern, dass die Watch pri­mär ein Life­style- bzw. Fashion-Pro­dukt sein soll und weni­ger ein IT-Gad­get. Bemer­kens­wert ist auch, dass man die sünd­haft teu­ren echt­gold-Vari­an­ten der Ur-Watch still und heim­lich abge­kün­digt hat. Im Edi­ti­on-Seg­ment regiert näm­lich nun allei­ne die Keramik.

Sieben

Als die Apple Watch alb­ge­früh­stückt war, hieß es im Bill Gra­ham Civic Audi­to­ri­um: iPho­ne-Time – mit bis dato über 1 Mil­li­ar­de ver­kauf­ter Ein­hei­ten ein unbe­strit­ten gigan­ti­scher Erfolg. Aber auch eine Last, erwirt­schaf­tet Apple doch inzwi­schen fast zwei Drit­tel sei­ner Umsät­ze mit dem Smart­pho­ne und geriet mit Absatz­rück­gän­gen in den letz­ten Quar­ta­len genau hier unter Druck. Umso über­ra­schen­der: Auch hier gab es unter dem Strich weni­ge ech­te Über­ra­schun­gen – zu zuver­läs­sig sind inzwi­schen die Leaks aus der Sup­ply Chain in Asi­en. Den­noch konn­te Apple ein sehr run­des Paket prä­sen­tie­ren – wenn­gleich der „gro­ße Auf­schlag“ wohl noch ein Jähr­chen (dann steht näm­lich das 10-jäh­ri­ge Jubi­lä­um des iPho­ne an) auf sich war­ten las­sen dürfte.

Doch der Rei­he nach: Sir Jona­than Ive durf­te per Video wie­der sei­ne sono­re Stim­me nebst bes­tem bri­ti­schem Akzent zum Ein­satz brin­gen, um zu zei­gen, was Apple sich für das Design der Sie­ben alles aus­ge­dacht hat:

Nach dem wie immer per­fekt insze­nier­ten Video gehör­te die Büh­ne Phil Schil­ler, App­les Mar­ke­ting-hef. Zunächst galt die Auf­merk­sam­keit Schil­lers, der durch den iPho­ne-Part der Ver­an­stal­tung führ­te, der neu­en Far­ben­leh­re. Wie im Video oben zu sehen ist das iPho­ne 7/ 7 Plus auch mit einem neu­en glos­sy-Finish zu haben, dass man bei Apple „Dia­mant­schwarz“ nennt (aller­dings nur in den bei­den gro­ßen Spei­cher­grö­ßen 128GB und 256GB). Dane­ben gibt es ein neu­es matt­schwar­zes Modell sowie die gewohn­ten Model­le in Sil­ber, Gold und Rosé­gold. Soviel zur Farbpalette.

Span­nend waren viel­mehr die Details zum Home-But­ton, der die­sen Namen eigent­lich nicht mehr ver­dient. War­um? Der Knopf ist nun kein Knopf mehr, son­dern ein abge­setz­ter Bereich des Dis­plays. Über Druck­sen­so­ren und die bereits bekann­te Tap­tic Engi­ne (das Sys­tem gibt bei einem „Tas­ten­druck“ hap­ti­sches Feed­back) wird der But­ton qua­si simu­liert. Prak­tisch, denn so gibt es ein beweg­li­ches Teil weni­ger. Wei­te­re, bereits im Vor­feld durch­ge­si­cker­te Neue­rung: Das iPho­ne 7/ 7 Plus ist nach dem auch von Sam­sung ein­ge­setz­ten IP67-Stan­dard wasserdicht.

Doppelt Kameras, doppelter Fotospaß?

Die viel­leicht span­nends­te Neue­rung der neu­en iPho­ne-Gene­ra­ti­on dürf­te das neue Kame­ra­sys­tem sein. Im klei­ne­ren iPho­ne 7 steckt nun eine 12 Mega­pi­xel Kame­ra mit 1.8-Objektiv, Bild­sta­bi­li­sie­rung, Wide Colour und einem ver­bes­ser­ten Quad-LED-True-Tone-Blitz (tol­ler Begriff). Eben­falls span­nend: Der neue Bild­pro­zes­sor, den Apple ein­ge­baut hat. Er schafft 100 Mil­lio­nen Rechen­ope­ra­tio­nen in 25 Mil­li­se­kun­den. Die Face­time-Kame­ra auf der Vor­der­sei­te löst nun mit 7 Mega­pi­xeln auf .

Das iPho­ne 7 Plus bringt eben­falls all die­se Funk­tio­nen und Neue­run­gen mit, unter­schei­det sich aber in einem ent­schei­den­den Fakt vom klei­ne­ren Geschwis­ter­chen: Es kommt gleich zwei 12 Mega­pi­xel Kame­ras. Wäh­rend die eine Kame­ra Weit­win­kel bie­tet, kommt die zwei­te als 56mm-Tele. So kann das iPho­ne 7 Plus im Zusam­men­spiel der bei­den Kame­ras bis zu 2-fach optisch zoo­men und per Soft­ware bis zu 10-fach digi­tal – in laut Apple bis­her nicht dage­le­ge­ner Qua­li­tät. Eben­falls mög­lich: Bokeh, also Unschär­fe­ef­fek­te im Hin­ter­grund, die das iPho­ne 7 Plus in Echt­zeit berech­nen kann – beein­dru­ckend. Die Bokeh-Funk­ti­on gehört lei­der nicht zum Lie­fer­um­fang des iPhoen7 Plus, son­dern wird mit einem spä­te­ren iOS-Update nach­ge­reicht. Der Ter­min dafür ist Eine des Jahres.

Ein wich­ti­ger Punkt fehlt bis­lang noch: Was steckt ein­gel­tich unter der Hau­be? Die Ant­wort: Der neue A 10 Fusi­on. Die Vier­kern-CPU treibt die neue iPho­ne-Gene­ra­ti­on an und sorgt dank einer smar­ten Archi­tek­tur für sehr akku­scho­nen­den Betrieb – zwei der Ker­ne küm­mern sich um weni­ger inten­si­ve Rechen­ope­ra­tio­nen, wäh­rend die bei­den ande­ren Ker­ne erst dann aktiv wer­den, wenn mehr Power benö­tigt wird. Im High-Per­for­mance-Modus kön­nen dann vor allem Games (F1 2017 wur­de erwähnt, Oz: Bro­ken King­dom von This­Ga­me­Stu­dio sogar live gezeigt) oder Anwen­dun­gen wie Ado­bes Ligh­troom (das auf dem iPho­ne 7 auch RAW-Datei­en bear­bei­ten kann) pro­fi­tie­ren. Im Schnitt haben User vom iPho­ne 7 etwa zwei Stun­den pro Tag mehr Bat­te­rie­lauf­zeit, als beim Vor­gän­ger, Besit­zer eines iPho­ne 7 Plus eine Stun­de mehr. Genau das wol­len iPho­ne-User hören.

Wäh­rend Schil­ler für die USA die sel­be Preis­staf­fe­lung, wie beim Vor­gän­ger ange­kün­digt hat, müs­sen deut­sche Kun­den etwas tie­fer in die Tasche grei­fen (Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen). Die deut­schen Ver­kaufs­prei­se staf­feln sich so:

  • iPho­ne 7, 32GB: 759 Euro
  • iPho­ne 7, 128GB: 869 Euro
  • iPho­ne 7, 265GB: 979 Euro
  • iPho­ne 7 Plus, 32GB: 899 Euro
  • iPho­ne 7 Plus, 128GB: 1009 Euro
  • iPho­ne 7 Plus, 256GB: 1119 Euro

Alle Model­le kön­nen ab Frei­tag, 9. Sep­tem­ber vor­be­stellt wer­den, das Stre­et­da­te ist der 16. Sep­tem­ber. Das iPhoen­SE bleibt wei­ter als Ein­stiegs­mo­dell im Port­fo­lio, das iPho­ne 6S/ 6S Plus bil­det das Mittelklassemodell.

Zwi­schen­fa­zit: Wirk­lich bahn­bre­chend war das nicht. Auch wenn die Prä­sen­ta­ti­on wesent­lich leben­di­ger her­über­kam, als das in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit zu häu­fig der Fall war. Das iPho­ne 7/ 7 Plus macht einen grund­so­li­den und gut durch­dach­ten Ein­druck. Wer wür­de schon auf enorm ver­bes­ser­te Kame­ras und län­ge­re Bat­te­rie­lauf­zei­ten schimp­fen wol­len? Ange­sichts der Absatz­rück­gän­ge beim iPho­ne darf aber die Fra­ge gestellt wer­den, inwie­fern die­ser wei­te­re logi­sche und evo­lu­tio­nä­re Ent­wick­lungs­schritt die Ver­käu­fe ankur­beln soll – vor allem mit dem Umstand im Hin­ter­kopf, dass Apple sich das 1o-jäh­ri­ge Jubi­lä­um des iPho­ne im kom­men­den Jahr mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit nicht neh­men lässt, um das Kon­zept Smart­pho­ne etwas dis­rup­ti­ver als bis­her weiterzudenken.

Spitzt die Ohren

Die erwar­te­te Abschaf­fung des 3,5mm-Klinkenanschlusses für Kopf­hö­rer, über den in den ver­gan­ge­nen Tagen viel­fach dis­ku­tiert wur­de, hat Apple tat­säch­lich voll­zo­gen – ver­sucht es aber mit einer ver­nünf­ti­gen Erklä­rung. Die alte Klin­ken­buch­se neh­me zu viel Platz weg. Zudem müs­se man manch­mal den Mut haben, Din­ge weg­zu­las­sen, so Schil­ler. Wirk­lich über­zeu­gend war das nicht. Den­noch: Als Apple mit dem iMac G3 die Flop­pys beer­dig­te oder mit dem Mac­Book Air das Ende des opti­schen Lauf­werks ein­läu­te­te, soll­te die Geschich­te den Ent­schei­den im Nach­gang Recht geben. Als Trost­pflas­ter legt Apple dem iPho­ne 7/ 7 Plus ein paar neu­er Light­ning-Kopf­hö­rer nebst eines Lightning-auf-3,55mm-Adapters bei. Für vie­le audio­phi­le iPho­ne-Nut­zer sicher ein trif­ti­ger Grund, vom Kauf eines iPho­nes künf­tig abzusehen.

Dafür hat­te Apple noch eine klei­ne Über­ra­schung im Köcher: Eige­ne, kabel­lo­se Kopf­hö­rer, die auf den Namen Air­Pods hören. Getreu der Vor­la­ge, die das Münch­ner Start­up Bra­gi mit sei­nen Blue­tooth-Ear­pie­ces „The Dash“ und „The Head­pho­ne“ gelie­fert hat, prä­sen­tiert Apple ein eben­falls draht­lo­ses Kopf­hö­rer­pa­ket, das mit Bat­te­rie­ca­se aus­ge­lie­fert wird. Aus der Lauf­zeit von 5 Stun­den kön­nen durch das Lade­ca­se noch­mal zusätz­li­che 10 Stun­den her­aus­ge­zo­gen wer­den. Durch den ein­ge­bau­ten W1-Chip, der sämt­li­che Draht­los-Funk­tio­nen der Air­Pods steu­ert, sol­len die Apple-Ear­pie­ces beson­ders zuver­läs­sig sein. Ein Infra­rot­sen­sor in den Ohr­tei­len erkennt, wenn der Kopf­hö­rer sich im Ohr befin­det und akti­viert sie so erst, wenn sie auch wirk­lich genutzt wer­den. Beschleu­ni­gungs­sen­so­ren auf den Aus­sen­sei­ten erken­nen zudem den Dop­pel-Tipp auf das Ohr­teil, das dann Siri aktiviert.

Smart: Apple nutzt hier kon­se­quent die Vor­tei­le der eige­nen Platt­for­men und inte­griert die Air­Pods naht­los mit iPho­ne und Apple Watch. Öff­net man näm­lich in der Reich­wei­te eine iPho­nes oder einer Watch das Akku­ca­se, bie­tet das iPho­ne oder die Watch prompt und ohne wei­te­res Zutun das Kop­pel an – ein Umweg über die Ein­stel­lun­gen und manu­el­les Pai­ring ent­fal­len. Zudem las­sen sich die Air­Pods auch ein­zel (bei­spiels­wei­se als Head­sets) ver­wen­den. Wenig über­ra­schend hat Apple zeit­gleich die Beats-Kopf­hö­rer­pa­let­te um neue, W1-bestück­te Model­le erweitert.

Zwi­schen­fa­zit: Apple geht beim kabel­lo­sen Audio all in – wenn­gleich das Design bereits weni­ge Minu­ten nach der Prä­sen­ta­ti­on ers­te Häme wegen der Ähn­lich­keit zu Bürs­ten­köp­fen elek­tro­ni­scher Zahn­bürs­ten auf sich zieht. Die Air­Pods wer­den gegen Ende Okto­ber für 179 Euro zu haben sein. Einen Test nebst Ver­gleich mit The Head­pho­ne von Bra­gi gibt es dann hier im Blog.

Wenige Überraschungen, unterhaltsamer Event

Auch wenn am Ende kei­ne wirk­li­chen Über­ra­schun­gen dabei waren – der Unter­hal­tungs­wert die­ses Spe­cial Event war im Ver­gleich zu den letz­ten, sehr rou­ti­nier­ten Auf­trit­ten, hoch. Das iPho­ne 7 / 7 Plus macht einen run­den Ein­druck, die vor­ge­stell­ten Funk­tio­nen – vor allem hin­sicht­lich der Kame­ras – machen Lust drauf, das Gerät zu tes­ten. Bei Apple Watch dürf­te die ech­te Neue­rung viel­mehr das neue watchOS 3 sein, das vie­le Kin­der­krank­hei­ten der Platt­form besei­ti­gen wird. Mein per­sön­li­ches High­light: Miy­amo­to-san auf der Apple-Büh­ne. Viel­leicht taut Nin­ten­do, das urkon­ser­va­ti­ve japa­ni­sche Gaming-Haus, ja nun end­lich auf.

Die schon seit Mona­ten im Raum ste­hen­den Fra­gen nach der Zukunft des iPho­ne und viel­leicht des gesam­ten Smart­pho­ne-Mark­tes lässt Apple aber zumin­dest an die­sem Abend vor­erst unbe­ant­wor­tet. In Cup­er­ti­no kon­zen­triert man sich offen­bar wei­ter voll dar­auf, in klei­nen evo­lu­tio­nä­ren Schrit­ten die Pro­duk­te Schritt für Schritt zu ver­bes­sern. Ob das künf­tig aus­reicht, um einen voll­kom­men über­sät­tig­ten Markt neu zu ent­fa­chen, darf zum jet­zi­gen Zeit­punkt ange­zwei­felt werden.

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Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen betreut er auf inhaltlicher Seite die Veranstaltungen der Computerwoche und sorgt dafür, dass die zugehörigen Websites laufen. Privat bloggt er auf Adams Apfel, sportlich gehört sein Herz nur dem FC Bayern.