iPhone 6s, Apple TV und iPad Pro: Was war gut, was weniger

Das Special Event ist rum und die Gerüchte, die vorab die Runde gemacht haben, haben sich weitestgehend als valide herausgestellt. Im Mittelpunkt: Ein riesiges iPad, ein aufgemotztes Apple TV und die vielleicht wichtigste Ergänzung der Handybedienung seit der Einführung des Touchscreen selbst.

iPad Pro: Gar nicht so dicker Brummer

Die Überraschung, die keine war. So in etwa könnte man den iPad-Part der Keynote (hier im Ticker zum Nachlesen) zusammenfassen. Oder in den Worten Phil Schillers: „The biggest news in iPad since iPad.“ Das neueste iPad wird ein 12,9-Zoll großer Tablet-Riese, der auf seinem Screen mal eben 2 klassische iPad-Apps nebeneinander anzeigen kann. Im Landscape-Modus zeigt das iPad Pro auch ein Feature, dass ich bisher beim iPad immer vermisst habe: eine Full-sized-Tastatur, die gerade Schreiberlingen und Produktiv-Menschen sehr entgegenkommen wird. Angetrieben wir das iPad Pro mit seinen 5,6 Millionen Pixeln von einer 64-bit CPU, der A9X, die etwa 1,8-Mal schneller sein soll, als der A8X des iPad Air 2.

Batterietechnisch soll Apples XXL-Tablet übrigens 10 Stunden durchhalten und – wieder mit den Worten Phil Schillers gesprochen – ein „desktop-class experience“ liefern. Stereosound hat Apple dann auch noch im Gehäuse untergebracht – und zwar erstmals in einem iOS-Gerät. Ergänzt wird das iPad Pro durch zwei Zubehörteile, die Apple gesondert an den Mann bringen will. Zum einen ist da ein Case mit integrierter Tastatur, das den Keyboard-Covers des Surface Tablets von Microsoft verblüffend ähnlich sieht. Apple nennt das dann „Smart Keyboard“ und ruft einen Preis von 169 US-Dollar auf.

Apple Pencil
Bildnachweis: Eigener Screenshot

Zum anderen zauberte Phil Schiller einen Stylus für das iPad Pro aus dem Hut. Ja, richtig gelesen: Das iPad bekommt einen smarten Einabestift, den sogenannten „Apple Pencil“. Einst von Jobs verpönt, soll der Pencil durch ausgefeilte Drucksensorik und eine genaue Standortbestimmung im Raum erstmals einem echten Stift nahe kommen. Der Apple Pencil versteht sich mit den Standard-Apps des iPad Pro und auch mit einigen Drittapps wie Office oder den Adobe-Tools Photoshop Fix und Photoshop Sketch. Für den Stift möchte Apple gerne 99 US-Dollar von uns haben.

Für das iPad Pro, das Apple in den bekannten Farben spacegrau, silber und gold verkaufen möchte, nimmt Apple 799 (32GB, Wifi), 949 (128GB, Wifi) und 1079 US-Dollar (128GB, Wifi+Cellular). Auch an der restlichen Palette hat Apple gefeilt: Das iPad Mini 4 kommt mit iPad Air 2 Technik im inneren ab 299 US-Dollar, das Mini 2 bleibt als günstiger Einsteiger im Sortiment.

iPad Pro Schmuckbild
Bildnachweis: Eigener Screenshot

Apple TV, Apps und App Store oder: Die Lizenz zum Gelddrucken

Lange musste der geneigte Kunde warten, jetzt ist es da: das neue Apple TV. Und das fast genauso, wie im Vorfeld erwartet. Apple packt in die immer noch kleine schwarze Box aktuelle Hardware, einen App Store und ein neues Betriebsystem: tvOS. Es basiert auf iOS und bietet alles, was es als Medienhub für zuhause braucht: Siri-Integration, eine neue, aufgeräumtere Oberfläche und eine eigene Entwicklungsumgebung für App-Devs. Neu ist aber nicht nur die Software und der Kasten selber. Auch die Fernbedienung wurde grundlegend überarbeitet: Sie bietet nun eine Touch Oberfläche im oberen Drittel, über die sich das Menü steuern lässt und Knöpfe für die Lautstärenregelung.

Gut: der Siri-Button aktiviert den Sprachassisitenten auf Knopfdruck, sonst hört Siri (im Gegensatz zu Amazon-Kollegin Alexa) weg. Für Sport-Fans in den USA hatte Apple noch eine nette Demo der MLB (Baseball-Liga) mit Splitscreen-Funktion in petto. Entwickler können sich bei Apple die entsprechenden Dev-Kits besorgen und ab sofort – tvOS ist bereits als Beta für Entwickler verfügbar – mit der Programmierung eigner Als beginnen.

Bis zum Launch Ende Oktober dürften allerdings nicht viele Entwickler mit Ihren Apps fertig werden. Spannend: Der Begriff der Universal-App wird nun auch auf das Apple TV ausgeweitet, Entwickler können Ihre Apps also auf alle Displaygrößen anpassen. Für das 32GB-Modell möchte Apple 149 US-Dollar sehen, das größere 64GB-Modell schlägt mit 199 US-Dollar zu Buche.

Apple TV
Bildnachweis: Eigener Screenshot

Der Sekundärklick für’s Touch-Display

Auch hier: Keine (großen) Überraschungen. Das iPhone 6s und 6s Plus kommt in den aus dem Vorjahr gewohnten Abmessungen, lediglich eine roségoldene Farbvariante ist hinzugekommen. Klingt erstmal langweilig. Tim Cook sagt aber: „The only thing that’s changed is everything“. Ok, bitte genauer! Das erwartete neue 3D Touch Feature hält Einzug und hat das Potential, die Art, wie wir unsere Smartphones bedienen, zu revolutionieren.

Im Grunde fügt Apple einen ausgesprochen smarten und natürlichen Sekundärklick hinzu. Durch verschieden starken Druck lässt sich zum Beispiel in Mail eine Vorschau aufrufen, bei stärkerem Druck gelangt man in den vollständigen Inhalt. Lässt man wieder los, gelangt man zurück in die Übersicht – ohne Verzögerung und sehr intuitiv. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei fast unbegrenzt. Am besten schaut ihr kurz das Präsentationsvideo an, dann wird schnell deutlich, was sich da großartiges getan hat:

Nachdem sich das Äußere des iPhone 6s/ 6s Plus nicht wesentlich vom Vorgänger unterscheidet, lohnt ein Blick ins Innere: Dort tut der A9-Prozessor seinen Dienst, in dem auch der M9 Koprozessor (Bewegungserfassung) integriert ist. Wie immer gilt auch bei dieser neuen iPhone-Generation: höher, schneller, weiter; dieses Mal gibt Phil Schiller zu Protokoll, dass die CPU um 70 Prozent schneller ist, als der Vorgänger und eine 90 Prozent bessere Grafikleistung hergibt. Spannendes hat sich auch bei der Kamera – die Linse ragt nach wie vor aus dem Gehäuse hervor – getan.

Der Sensor gibt nun 12 Megapixel her und liefert mit Blick auf die gezeigten Bilder sehr ansehnliche Ergebnisse. Videos schießt das iPhone 6s/ 6s Plus übrigens erstmals in 4k. Doch nicht nur die Hardware ist besser geworden. Mit Live Photos führt Apple ein neues Feature ein, dass per Druck auf ein Bild dessen Entstehungszeitraum in Form einer Animation (ähnlich einem GIF) darstellt – und das sogar mit Ton. Preislich nimmt Apple die selben Preise wie bei den Vorgängern: Das iPhone 6s kostet 199 (16GB), 299 (64GB) und 399 (128GB) US-Dollar während das iPhone 6s Plus 299 (16GB), 399 (64GB) und 499 US-Dollar (128GB) kostet.

iPhone 6s
Bildnachweis: Eigener Screenshot

Was mir gar nicht gefallen hat: Die Monotonie der Präsentation

Ich schätze Tim Cook für seinen angenehmen und unaufgeregten Pragmatismus. Das referieren von Zahlen ist ganz klar sein Terrain. Aber mal ehrlich: Was Phil Schiller oder Eddy Cue heute abgeliefert haben, war booooring. Einzig Craig Federighi ist in Sachen Präsenz und Entertainment-Faktor vorzeigbar. Witze über die Frisur von „Hairforce One“ spare ich mir aber …

Was ich super fand: Apple Pencil

Warum, werdet ihr fragen und den seligen Steve Jobs und seine „Eingabestifte sind doof“-Kampagne ins Felde führen. Ganz einfach: Die Vision eines papierlosen Büros rückt näher. Ich hasse Eingabestifte für Tablets, weil die meisten davon versuchen, Fingerspitzen zu imitieren – das iPad ist ja auch ein Touch-Device. Keiner hat bisher so gut funktioniert, dass ich endlich vollständig auf digitale Dokumente hätte umsteigen können. Zu kompliziert ist es in einem PDF oder Word-File Hervorhebungen zu machen oder Notizen einzufügen. Redigaturen mache ich immer noch analog! Das alles könnte sich mit dem vollintegrierten Apple Pencil endlich ändern. Allein schon deswegen ist das kein dogmatischer Bruch, sondern eine innovative und Cook-typische Entscheidung.

Realeasedaten
iPhone 6s/ 6s Plus: Vorbestellung ab 12. September, Verkauf ab 25. September

iPad Pro: Verkauf ab November

Apple TV: Verkauf demnächst

iOS 9: Erscheint am 16. September

watchOS 2: Erscheint am 16. September

OS X El Capitan: Erscheint am 30. September

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Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen betreut er auf inhaltlicher Seite die Veranstaltungen der Computerwoche und sorgt dafür, dass die zugehörigen Websites laufen. Privat bloggt er auf Adams Apfel, sportlich gehört sein Herz nur dem FC Bayern.