Das neue Foursquare ist da – aber ohne mich!

Nachdem Foursquare bereits vor einiger Zeit die beliebten, mit spielerischen Elementen wie Mayorships garnierten Check-Ins in die separat erhältliche App Swarm ausgelagert hat, ist die Community wenig begeistert.

Als dann auch noch der zunächst optionale Umstieg auf ein Zwei-App-Modell vor wenigen Tagen zum Muss wurde, war für viele User die rote Linie überschritten: Massenhaft miese Ein-Sterne-Bewertungen fluteten die App-Stores, diverse Rants und Abschieds-Blogposts besangen das Ende einer langen und spaßigen Freundschaft. Heute hat Foursquare die bereits länger angekündigte und komplett überarbeitete Version 8.0 seiner App offiziell verfügbar gemacht. Die Screenshots zeigen: Man hat sich bei Foursquare intensiv darüber Gedanken gemacht, wo man mit seinem Dienst hin möchte und die Neuausrichtung auf individuelle Restaurant-Empfehlungen konsequent verfolgt. Ob aber die Ausgliederung der Check-Ins und die Kastration der Gameification-Features wirklich nötig war und in der neuen App keinen Platz mehr für das wohl beliebteste Foursquare-Feature war, darf auch nach den ersten – ausdrücklich guten – Eindrücken bezweifelt werden. Sobald ich mehr Zeit mit Foursquare 8.0 verbracht habe, ergänze ich das Blogpost nochmal mit weiteren Eindrücken.

Update, 7. August 2014: Der Erste Eindruck von Foursquare 8 hat sich bestätigt: Die App läuft rund, sieht spitze aus und auch die individuellen Empfehlungen passen bei mir ganz gut zu meinen kulinarischen Vorlieben. Mit dem neuen Tipps-System, das dem User nach einer bestimmten Anzahl an Tipps zu einem bestimmten Themenbereich, Beispiel „Brauereien“ (mein Fachgebiet :)), einen Experten-Status verleiht, kehrt sogar ein kleines bisschen der Spaß und Konkurrenzkampf mit seinen Kontakten wieder in die App zurück. Ein Problem habe ich aber mit der neuen App: Unter „Profil > Einstellungen > Standorteinstellungen“ ist die Option zur dauerhaften Hintergrundaktualisierung des eigenen Standorts per Default aktiviert. Die App weist zwar zum ersten Start darauf hin, dass man die Hintergrund-Daten lediglich dazu verwendet, die Qualität der Empfehlungen zu verbessern, doch die Tatsache, dass ich aktiv die Funktion abschalten muss hat ein Gschmäckle – zumal sich schon Swarm nicht wirklich Datenschutz-freundlich verhält:

Fakt ist: In beiden Apps müssen die Nutzer aktiv werden und sich in den Einstellungen der beiden Apps entscheiden, wie viele Informationen sie von sich preisgeben wollen. Angesichts der ohnehin schon schwierigen Situation von Foursquare ist das Verhalten bezüglich des Hintergrundtrackings ziemlich unsensibel.

Aufgehübscht für neues Kapital?

Was mir aber nach wie vor unerklärlich ist: Warum kann die Check-In-Funktion nicht Teil der neuen, Empfehlungs-basierten Ausrichtung sein? Meine persönliche Erklärung: Foursquare hat seit jeher Probleme damit, seinen großen Datenschatz zu Geld zu machen bzw. gegen die deutliche größere und gut vernetzte Konkurrenz von Yelp anzukommen. Zwei Apps mit einer bestimmten Menge an Nutzer und deren Daten lassen das Unternehmen auf dem Markt sehr viel attraktiver Erscheinen, als noch im alten Zustand. Eine Diversifizierung des App-Modells könnte Foursquare auf jeden Fall finanziell flexibler machen – in alle Richtungen. Vor allem dann, wenn man die nicht unwesentliche 15-Millionen-US-Dollar schwere Finanzspritze von Microsoft aus dem vergangenen Februar berücksichtigt. Michael Kroker von der Wirtschaftswoche geht sogar so weit, Microsoft als den „beinahe zwangsläufigen Käufer des Location-Dienstes zu sehen. Wie realistisch dieses Szenario ist, werden die kommenden Monate zeigen. Ich für meinen Teil werde meine Foursquare/Swarm-Aktivitäten jedenfalls einstellen und mich bei der Konkurrenz von Yelp einnisten. Denn Yelp dürfte die erste Alternative von vielen enttäuschten Foursquare-Usern werden — und vom User-Zuzug kann die Anzahl und die Qualität der Orte und Beiträge nur profitieren.

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Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen betreut er auf inhaltlicher Seite die Veranstaltungen der Computerwoche und sorgt dafür, dass die zugehörigen Websites laufen. Privat bloggt er auf Adams Apfel, sportlich gehört sein Herz nur dem FC Bayern.